puzzelink_evidenz.20 [getürkt]

Programm 2017

Nachfolgend findet sich der Beschreibungstext und die Veranstaltungen von 2017. Meistens gibt es Fotos der Veranstaltung auf den jeweiligen Detailseiten.


Liebe Türken und Jubilare!

Was heißt hier "getürkt"?
Wie kann eine ganze Nation dafür herhalten, dass Einzelne etwas fälschen ("faken")?
Gibt es: gefinnt, gedeutscht, gepolt, gesyrt, getschecht, gedänt...?
Nein.

Folglich müsste es – auf Indivduen bezogen – heißen:
Getrumpt, gemayt, geputint, geerdogant, gepent, gewildert. Und ab und zu auch gemerkelt (wenn wir uns z. B. die deutschen Rüstungsexporte vergegenwärtigen).

Die zwei folgenden Geschichten haben explizit zur Entstehung des Wortes "getürkt" beigetragen. Sie zeigen uns genau, dass hier nicht die Türken, sondern einzelne Deutsche etwas gefälscht haben, nämlich orientalisch anmutende Kleidung und eine verfälschte Nationalhymne:

Bei der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute: Nord-Ostsee-Kanal) im Jahr 1895 wurden alle passierenden Schiffe mit der jeweiligen Nationalhymne ihres Landes begrüßt. Als jedoch ein Schiff mit der Flagge des Osmanischen Reiches auftauchte, war der Dirigent ratlos. Denn es gab keine Noten der türkischen Nationalhymne. Um nicht unhöflich zu erscheinen, intonierte das Orchester stattdessen das Lied "Guter Mond, du gehst so stille...", inspiriert vom Halbmond auf der Fahne. Die Hymne war also getürkt – von den Deutschen!

Die zweite Geschichte findet im 18. Jh. statt und bezieht sich auf einen Schachautomaten, gebaut von einem Baron von Kempelen. Hierbei handelte es sich um eine Art Kommode, an deren Seite eine orientalisch gekleidete Puppe montiert war. Im Inneren der Kommode sass ein Schachmeister, der seine Figuren magnetisch oder über Hebel bewegte. Durch diesen raffinierten Trick gewann der "Automat" fast alle Partien. Nachdem der Schwindel aufgeflogen war, sprach man – wie bei der ersten Geschichte – von "getürkt". Auch hier von den Deutschen.

Wie immer: temporär, dynamisch, porös


Veranstaltungen

Di, 1.8.17, 20 Uhr [Musik]
Anne Wiemann
Getürkt?! Live gelooptes Gebläse!
Do, 3.8.17, 20 Uhr [Interaktion]
Ute Arndt, Ina Hattebier, Carsten Seidel, Melanie Torney
Friedhof der Ideen – ein Trauerspiel
Fr, 4.8.17, 19:30 Uhr [Ein Abend mit möglicher Malerei]
Horst Sagunski
Sehstücke
Mo, 7.8.17, 17 Uhr [Film und Bilder]
Gabriele Schwark
Püppi von Schmitt Malerin
Mi, 9.8.17, 18 Uhr [Spiel mit Erwartung, Vorurteil und Norm]
Doris Cordes-Vollert
Kaffesätze und Erbsenzählen
Fr, 11.8.17, 19 Uhr [Installation, Malerei]
Wiebke Logemann, Manuel Zint
provincial data
So, 13.8.17, 19 Uhr [Lesung und andere Bewegungen]
Roland Diehl
Tückische Texte übür den Verfall des Osmanischen Reichs
Do, 17.8.17, 19:30 Uhr [Ausstellung, Lesung und Gespräch]
Heiner Studt, Christoph Ernst
Getürkt und echt
Sa, 19.8.17, 19 Uhr [Ausstellung, Film]
Llaura I. Sünner, Tobias Sandberger, Ralf Jurszo
Fakesimily und "Rotkäppchen"
Mo, 21.8.17, 19 Uhr [Ausstellung und Installation]
Christopher Geiger
Tunnelblick und Tunnelbilder
Mi, 23.8.17, 19 Uhr [Kurzfilme]
Philipp Machgut
Der Schatz von Arno Schmidt
Fr, 25.8.17, 19 Uhr [Büchertisch]
Simon Starke
Rückkehr zur Grundlosigkeit
So, 27.8.17, 19 Uhr [Perfomanz]
Volker Zobel, Philipp Machgut
Sturzgeburt aus der Trommelstraße
Di, 29.8.17, 19 Uhr [Ausstellung]
Oliver Tan
P20-Gekritzel

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